DIE VERBREITUNG DER
FLIESE IN EUROPA.

Später trugen die Mauren die Kultur der bunt glasierten Wandfliese aus dem arabischen Raum zunächst nach Spanien und Portugal, wo sie als „Azulejos“ bezeichnet wurden. Von dort aus startete die Fliese dann ihren Siegeszug in ganz Europa – auch wenn die Produktion damals noch recht aufwändig und kostspielig war, und Fliesen daher vorwiegend zur Dekoration von herrschaftlichen oder kirchlichen Bauwerken genutzt wurden.

In Italien gilt die Basilica di San Francesco in Assisi als eines der ersten Gebäude, wo kunstvoll gestaltete Fliesen ab dem frühen 13. Jahrhundert verlegt wurden – diese sind auch heute noch an den Wänden der Kirche zu bestaunen. Auch in der Engelsburg in Rom sind prachtvolle Fliesenböden aus dem 15. Jahrhunderts erhalten, die teilweise die Wappen von Päpsten repräsentieren.

Eine großräumige Verbreitung keramischer Bodenbeläge für den privaten Wohnbereich ermöglichte erst die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert. Schon bald entwickelte sich ein eigener Industriezweig mit entsprechender Fachexpertise. Um 1900 entstanden die ersten Fachgeschäfte, die sich auf die Verlegung von Fliesen spezialisierten. Die Keramikindustrie verzichtete schließlich vollkommen auf das Verlegen, und so entstand daraus ab 1935 ein Vollhandwerk. Somit wurde die gesamt Berufsausbildung von der Lehre bis zur Meisterprüfung reglementiert und die Basis für aktuelle Qualitätsstandards geschaffen.